Aktuelles aus SEE LEARNING

8. Februar 2020

Auftakt in Frankfurt

von Corina Aguilar-Raab

Die erste Multiplikator*innen-Schulung zu SEE Learning im deutschsprachigen Raum fand im Januar 2020 in Frankfurt statt. Das Ziel ist, Pädgoginnen und Pädagogen auszubilden, die die Grundprinzipien des SEEL-Curriculums an Kollegen weitergeben. Nur so können mehr Menschen im Bildungsbereich das Programm einsetzen.

Mitgefühl steht im Zentrum von SEE Learning. Daher begann die Schulung mit einem Einführungs-Workshop zum Kognitiv-basierten Mitgefühlstraining (Cognitively-Based Compassion Training, CBCT®), einem säkularen Mitgefühlsprogramm für Erwachsene, geleitet von Prof. Lobsang Tenzin Negi. Er ist Direktor des Center for Contemplative Science and Compassion-Based Ethics der Emory Universität in Atlanta und hat SEE Learning mitentwickelt.

35 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Europa waren vom 6. bis 8. Januar in Frankfurt dabei, um sich dem Thema auf verschiedenen Ebenen zu nähern. Dazu gehören die Schulung der Aufmerksamkeit, aber auch Selbst-Mitgefühl, Unparteilichkeit, Wohlwollen bis hin zu Empathie und engagiertem Mitgefühl, also dem Handeln zum Wohle von anderen.

Vom 9. bis 12. Januar fand die eigentliche SEEL-Multiplikatoren-Ausbildung mit 53 Teilnehmern aus 12 Nationen statt. Es war der erste Termin in Europa. Alle waren in unterschiedlichen Bildungskontexten tätig, etwa als Lehrpersonen in der Kinder- oder Erwachsenenbildung oder im politischen Bereich oder in NGOs zur Förderung von Bildung.

 

In vier intensiven Tagen ging es um das gesamte SEEL-Curriculums: die persönliche Ebene, etwa die Stärkung von Aufmerksamkeit und Emotionsregulation, die soziale Ebene wie das Einüben von Empathie und Mitgefühl, sowie die systemische Ebene, die Einsicht in die Interdependenz und wie man sich auf dieser Basis gesellschaftlich engagieren kann. Die Workshops bestanden aus der Vermittlung von Theorie und Praxis. Auch ging es um Fachthemen wie die Rolle der Pädagogen, um Gesprächsführung und achtsame Kommunikation.

„Das Wort Mitgefühl steht auf vielen Flipcharts“

Die Teilnehmer waren durchweg begeistert. Denn SEEL beantwortet Fragen, die sich in Bildungsdiskursen immer drängender stellen: Wie können die psycho-sozialen Aspekte des Menschseins stärker vermittelt werden? Viele halten heutzutage die rein akademische Ausrichtung und pure Wissensvermittlung für nicht mehr ausreichend. SEEL macht hier ein gutes Angebot, wissenschaftlich fundiert, umfassend und mit einer klaren Struktur.

Teilnehmerin Lee Lesemann drückt es so aus: „Wir überlegen in Kleingruppen, was wir als das dringlichste Problem unserer Zeit empfinden. Das Ergebnis überrascht mich: Wir alle sehen es ähnlich: Es fehlt uns Menschen ein Konsens, eine gemeinsame Grundlage. Sowas wie eine gemeinsame Ethik? Das Wort „Mitgefühl“ steht auf vielen Flipcharts – und mehrmals ein Herz-Symbol.“

Nach dem Präsenzseminar geht die Schulung nun online weiter, mit dem Online Facilitator Training. Die Teilnehmer arbeiten hier im eigenen Tempo für sechs bis 12 Monate weiter an den Themen und werden mit den Curricula für die verschiedenen Schulstufen vertraut gemacht.

20. Januar 2020

Übersetzung des Curriculums

von Corina Aguilar-Raab

SEE Learning ist für alle Schulstufen konzipiert. Es bietet Lehrpersonen ein Rahmenkonzept für die Kultivierung von sozialen, emotionalen und ethischen Kompetenzen und kann einfach an den Unterricht angepasst werden.

Die Emory University hat die Curricula in englischer Sprache ausgearbeitet. Es fehlen nur noch die Lehrpläne für die Oberstufen und die Hochschulen; diese sollen im Laufe des Jahres 2020 fertig sein.

Das SEEL-Team mit Prof. Negi (li.) und Corina Aguilar-Raab (2. v. re)

In Deutschland koordiniert das Kultur- und Bildungsinstitut Tibethaus Deutschland in Zusammenarbeit mit dem Schweizer SEE Learning-Verein die Trainings und sorgt dafür, dass die Programme ins Deutsche übersetzt und zugänglich gemacht werden. Die Curricula für die frühe und späte Grundschule sowie Sekundarstufe 1 und 2 sind fertig und stehen interessierten Pädagogen zur Verfügung. Neben den Unterrichtseinheiten gibt es Angebote zur Vorbereitung, Begleitung und kontinuierlichen Weiterbildung von Lehrpersonen.

Mittlerweile gibt es diverse Anfragen von Pädagoginnen und Pädagogen, die mit SEEL arbeiten wollen. In Hamburg, Marburg, Rüsselsheim und einigen Orten in der Schweiz fanden bereits Fortbildungen statt. Weitere Schulungen sind in Planung. Sie bestehen in der Regel aus einem Einführungsvortrag und Seminaren, die zwischen drei und neun Tage dauern können. Die Fortbildung wird auf die Schulen, die damit arbeiten wollen, zugeschnitten.

Eine engere Kooperation gibt es mit der Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen und dem Bildungswissenschaftlichen Lehrstuhlinhaber Prof. Tim Unger. Er legt großen Wert darauf, Achtsamkeit und Mitgefühl in Forschung und Lehre zu integrieren. Dies fördert er bei seinen Studierenden, unter Kollegen und in seinem Team. Weiter geht es Prof. Unger um die wissenschaftliche Erforschung des Themas, z.B. durch die Vergabe von Doktorarbeiten und Kooperationen mit Schulen der Umgebung.