Glitzermeditation und Königin der Ruhe

 

Meditieren mit Kindern von Sarina Hassine

„Du musst deinem Kind nichts beibringen. Du musst keinen Schnickschnack mehr kaufen. Du musst gar nichts tun. Ihr könnt beide einfach leben und euch an der Beziehung erfreuen, die sich zwischen euch entwickelt.“ Magda Gerber

 

Du brauchst keine Meditationskissen, Klangschalen oder Yogamatten. Beginne, wo du bist. Nimm das, was du hast, und tue das, was du kannst und womit du dich wohl und sicher fühlst.

Müssen Kinder meditieren lernen? Ganz bestimmt nicht. Aber es ist hilfreich als „Tool“ fürs ganze Leben, um sich selbst beruhigen zu können, um Gefühle und Körperempfindungen zu erforschen und in Frieden mit sich und der Welt zu kommen. Und es kann ein schönes Tages-Ritual werden. Jedes Kind wird dazu seinen eigenen Zugang finden.

Am besten ist es meiner Erfahrung nach,

  1. wenn die Eltern oder ein Elternteil meditieren und dies vormachen. Das bedeutet unter Umständen, dass man für die Meditation nicht die Tür abschließt, sondern dass man die Kinder sich nähern lässt, sich dazu setzen lässt usw. Man kann aber sagen, dass sie bitte nicht reden sollen, wenn sie dabei sind. Unsere setzen sich oft dazu oder spielen leise und genießen die Atmosphäre
  2. wenn man es spielerisch angeht und nicht zu strenge Regeln setzt
  3. wenn man es regelmäßig macht und geduldig bleibt
  4. wenn man es anpasst an die Umstände und Bedürfnisse. So kann eine Atemmeditation auch abends im Bett vor dem Einschlafen im Liegen stattfinden. Das lieben viele Kinder sehr. Oder man bietet die Meditation nach intensiver, körperlicher Betätigung an. Da sind die Kinder natürlicherweise ruhiger und man kann „Forscher spielen“ und den Herzschlag oder den Atem noch besser beobachten.

Begleitet eure Kinder in jedem Fall ruhig, behutsam, ohne Druck und mit Freude. Und behaltet dabei eure Beziehung im Blick, wie Magda Gerber, Helle Jensen und viele andere immer wieder betonen.

Kein Kind sollte meditieren, damit es dann von Mama gelobt wird und sich geliebt fühlt. Kein Kind sollte Meditation als Stille-Übung wie eine Art Strafe empfinden. Kein Kind sollte in seinen Erfahrungen bewertet oder geleitet werden – „jetzt fühlst du dich sicher besser“, „jetzt geht dein Atem schön ruhig“ etc. Alles darf da sein, darum geht es bei der Meditation – sei es für Erwachsene oder für Kinder.

Meditieren mit Kindern verschiedener Altersgruppen

Im Zuge meiner Arbeit habe ich unterschiedliche Erfahrungen dabei gesammelt, wie das Meditieren mit Kindern im Alter zwischen vier und 16 Jahren ablaufen kann. Bei den Kleinen (4 Jahre) beginne ich damit, einfach für einen Moment still zu sitzen und die Klangschale anzuschlagen. Sie sind aufgefordert, den Klang aufmerksam zu verfolgen und die Hand zu heben, wenn sie nichts mehr hören können (1 Minute). Dabei können sie die Augen schließen, so kann man sich besser auf den Klang konzentrieren.

Das lässt sich erweitern, sodass man nach dem Hören noch einen Moment still sitzen bleibt oder später den Atem beobachtet. Kinder ab ca. acht Jahre beginnen genauso und steigern sich meist auf maximal drei bis vier Minuten. Mit ihnen kann man die Meditation auch in eine Art Challenge einbetten: „Ob wir heute ganze 2 Minuten schaffen werden?“ Es ist schön, den Kindern anzubieten, dass sie die Klangschale für die anderen anschlagen. Sie lieben das! Ist man eine größere Gruppe, dann wird daraus insgesamt schnell eine Viertelstunde Meditation.

Sind die Kinder schon älter (ab 11 Jahre) kann es hilfreich sein, zu erklären, warum man meditieren könnte (Stress abbauen, Ruhe finden, sich selbst erforschen). Aber das fragen auch schon viele Kinder von acht Jahren.

Die Lieblingsübung: Glitzermeditation

Ihr könnt zusammen mit den Kindern ein leeres Marmeladenglas nehmen und Glitzer hineinkippen. Schüttelt man das Glas, kann man beobachten, wie der Glitzer durcheinander wirbelt. Das ist ein Bild für den aufgewühlten Geist, in dem viele Gedanken kommen und gehen. Oder ein Bild für ein aufgeregtes Herz, in dem starke Emotionen sind.

Solange der Glitzer umherwirbelt, sehen wir nicht klar. Wir warten ab, bis sich der Glitzer am Boden absetzt. So ist es auch in unserem Geist: Gedanken und Emotionen sind noch da, aber sie haben sich gesetzt, so dass wir wieder klar sehen.

Warum es gut ist, mit Kindern zu meditieren, erklärt Susan Kaiser Greenland, Achtsamkeitslehrerin für Kinder und Buchautorin in diesem Video:  „Der klare Blick, mit dem wir alle geboren wurden“

Blume-Meditation

Die Hände liegen locker auf den Oberschenkeln mit den Handinnenflächen nach oben. Beim Einatmen die Finger ausstrecken – die Blume streckt sich der Sonne entgegen. Beim Ausatmen die Finger lockern bis in die Ausgangsposition.

König / Königin der Ruhe

Wir nehmen eine aufrechte und gleichzeitig bequeme Haltung ein: die königliche Position. Wir lenken die Aufmerksamkeit auf den Atem, möglichst ohne uns zu bewegen. Wir stellen fest, ob sich trotzdem etwas bewegt oder etwas sich bewegen möchte. Und wir kehren immer wieder zurück zur Atembeobachtung.

Man kann die Übung variieren, indem man eine zeitlang bewusst auf Geräusche im Raum oder außerhalb des Raumes achtet. Für Kinder ab zehn Jahren kann eine kurze Beobachtung von Gedanken und Emotionen interessant sein.

Geräuschen lauschen

Setzt euch bequem hin, draußen oder drinnen. Dann achtet 3-10 Minuten (je nach Alter) auf die Geräusche, die ihr hören könnt. Vielleicht hört ihr ein Grummeln im Bauch oder euren Atem, Schritte von den Nachbarn über euch, die Vögel im Baum oder vorbeifahrende Autos. Wir nehmen die Geräusche einfach wahr, ohne sie zu kommentieren oder zu bewerten. Sie kommen und gehen. Hinterher könnt ihr darüber sprechen, was ihr gehört habt und wie es euch dabei ging.

Achtsam essen

Essen kann zu einer Art Meditation werden, wenn es achtsam geschieht. Nehmt euch eine Rosine, Erdbeere oder ein Stück Schokolade und betrachtet, befühlt, riecht zunächst nur daran. Dann nehmt es in den Mund und schmeckt. Erst jetzt kaut ihr und schluckt es langsam hinunter. Hier kann man während der Meditation die einzelnen Schritte anleiten und fragen, was die Kinder bemerken (Geruch, Speichelfluss, Ekel, Erstaunen).

Verbundenheit mit anderen

In diesen Zeiten fühlen wir uns manchmal allein, isoliert oder traurig, weil wir die Freunde und Verwandte nicht sehen und umarmen können. Diese Meditation kann helfen, sich trotz der Distanz verbunden zu fühlen. Das ist sehr nährend und kraftspendend für das Herz.

Für Kinder empfehle ich die Übung „Freundliche Wünsche schicken“. Hier eine schöne kindgerechte Anleitung (englisch)

Freundliche Wünsche senden

Das Senden freundlicher Wünsche ist eine Übung, die von der klassischen Meditation der Liebenden Güte (Metta) inspiriert und angepasst ist an das Verständnis von Kindern.

Eltern können Kindern helfen, sich bewusst Menschen, Orten oder Tieren zuzuwenden, die in ihrem Leben bedeutungsvoll sind.

 

Wie man die Übung für Kinder anleiten kann

  • Schaffe eine ruhige, vertrauenvolle, ungestörte Atmosphäre
  • Die Kinder können im Sitzen die Augen zugehen lassen oder sich auf den Boden legen, vielleicht mit einem Kuscheltier im Arm oder auf dem Bauch.
  • Während die Kinder die Augen schließen, bleibe du mit offenen Augen präsent und gehe ggf. zu Kindern, die Schwierigkeiten haben, ruhig zu werden; unterstütze sie, während du weiter anleitest.
  • Bitte die Kinder nun, freundliche Wünsche an sich selbst zu senden, sich vorzustellen, dass sie glücklich sind, Spaß haben, dass sie gesund sind und mit ihrer Familie und ihren Freunden in Sicherheit sind.
  • Als nächstes schlage ihnen vor, dass sie sich einen Freund oder Freundin aus dem Raum aussuchen, und still freundliche Wünsche für speziell diese Person aussenden.
  • Abschließend ermuntere die Kinder, an jemanden zu denken, der nicht mit im Raum ist. Sie sollen als erstes an ein Familienmitglied oder einen Freund denken, dann an einen Menschen, den sie kennen, dann an einen Menschen, den sie noch nicht kennengelernt haben, aber gern kennenlernen würden, schließlich sollen sie an alle Lebewesen auf der ganzen Welt denken.
  • Die Wünsche könnten so klingen: Ich wünsche, dass du glücklich bist, dass du gesund bist und viel Spaß hast. Ich hoffe, dass du in Sicherheit bist und nicht verletzt wirst. Ich wünsche, dass du mit Menschen, die du liebst, in Frieden lebst.
  • Bei kleinen Kindern kann man die Runde abschließen, indem die Kinder noch einmal die guten Wünsche an sich selbst verinnerlichen und still zu sich sagen: Ich möchte glücklich sein, ich möchte gesund und stark sein, ich möchte mich wohl fühlen, ich möchte in Sicherheit sein und in Frieden mit meiner Familie, meinen Freunden, meinen Haustieren und allen, die ich liebe, leben.
  • Ältere Kinder/Teenager können freundliche Wünsche an jemanden schicken, mit dem sie gerade eine schwierige Zeit haben, der sie ärgert oder der sie nervt.

Kartensets Achtsamkeitsübungen mit Kindern

Anleitungen für Achtsamkeits-Übungen und Anregungen für die gemeinsame Achtsamkeitspraxis mit euren Kindern gibt es hier:

Sarina Hassine hat zusammen mit Hanna Salzer ein Kartenset mit 12 Karten kreiert. Hier gibt es Übungen für Kinder ab 4, auch Erwachsene haben Freude daran. Zum Kartenset

Susan Kaiser-Greenland hat ein Kartenset “Achtsame Spiele” und Meditationen herausgebracht. Mehr Infos