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Schritt für Schritt in die Zuversicht – Ein Impuls von Anoosh Werner

Schritt für Schritt in die Zuversicht – Ein Impuls von Anoosh Werner

Anoosh Werner nimmt uns mit auf eine literarische Reise, bei der wir viel über Achtsamkeit als Weg zur Zuversicht lernen können. Anhand von Geschichten und persönlichen Einsichten zeigt die Wasseraktivistin und Zukunftsgestalterin, wie kleine, bewusste Schritte uns helfen, große Herausforderungen zu meistern.

Die Geschichte von Beppo, dem Straßenkehrer

Anoosh Werner beginnt ihren Vortrag mit einer Geschichte aus dem Buch „Momo“ von Michael Ende. Beppo, der schweigsame Straßenkehrer, erklärt Momo, dass er seine Arbeit liebt und ihr mit großer Hingabe nachgeht. Er beschreibt, wie er die lange Straße, die er kehren muss, nicht immer gleich als Ganzes betrachtet. Stattdessen konzentriert er sich auf jeden einzelnen Schritt und jeden Atemzug.

Wenn er so die Straßen kehrte, dann tat er es langsam. Langsam, aber stetig. Bei jedem Schritt ein Atemzug. Und bei jedem Atemzug einen Besenstrich. Schritt, Atemzug, Besenstrich. Schritt, Atemzug, Besenstrich. – Michael Ende in „Momo“ 

Weder hilft es, sich auf die schier unendliche Länge der Straße zu fokussieren. Noch hilft es, sich immens zu beeilen in der Sorge, es nicht schaffen zu können. Es geht darum, an den nächsten Schritt zu denken. Schritt für Schritt, Atemzug für Atemzug, schaffte er es, die ganze Straße zu reinigen. Diese Geschichte illustriert, dass große Aufgaben bewältigt werden können, indem sie in kleine, machbare Schritte unterteilt werden. Diese Herangehensweise nimmt den Schrecken vor überwältigenden Herausforderungen und macht sie handhabbar.

Anoosh Werner, Zukunftsgestalterin und Wasseraktivistin 
Anoosh Werner, Zukunftsgestalterin und Wasseraktivistin

Zuversicht als bewusste Handlung

Werner erklärt, dass die lange Straße als Sinnbild für die Herausforderungen unserer Zeit stehen kann, wie beispielsweise der Klimawandel. Sie erklärt, dass viele Menschen in schwierigen Situationen automatisch mit Angst oder Rastlosigkeit reagieren.

Doch anstatt sich von der Vielzahl der Herausforderungen überwältigen zu lassen, sollten wir uns auf das konzentrieren, was wir im Hier und Jetzt tun können. Werner betont, dass Zuversicht nicht nur ein Gefühl, sondern eine bewusste Handlung ist. Indem wir unsere Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Moment lenken und aktiv werden, schaffen wir die Basis für eine zuversichtliche Lebenshaltung.

Die Kraft des Herzens als Raum voll Stärke und Ruhe

In ihrem Vortrag unterstreicht Werner die Bedeutung des Herzens als Quelle der Zuversicht. Sie beschreibt das Herz als einen grenzenlosen Raum, der uns stets zur Verfügung steht. Indem wir uns mit unserem Herzen verbinden, können wir eine tiefe innere Stärke und Ruhe finden. Diese Verbindung hilft uns, in schwierigen Zeiten resilient zu bleiben und auf unsere innere Weisheit zu vertrauen. Werner betont, dass das Herz uns auch dabei unterstützt, zu erkennen, ob wir schlicht reagieren oder bewusst agieren. 

Zuversicht stellt für mich beherztes Handeln dar, sodass ich bewusst und unmittelbar Dinge und Situationen mit meinem Handeln in der Gegenwart beeinflussen kann. Ich bin nicht im Kopf, sondern verbunden mit meinem Herzen. Und das Herz bringt uns in die Gegenwart – Anoosh Werner 

Selbstbeobachtung und Achtsamkeit als Grundlage für Resilienz 

Werner spricht über die Bedeutung von Selbstbeobachtung und Achtsamkeit auf dem Weg zu Zuversicht. Sie erläutert, dass diese Praktiken uns helfen, unsere Reaktionen zu verstehen und bewusste Entscheidungen zu treffen. Durch Selbstbeobachtung können wir erkennen, ob wir aus Angst oder aus einer bewussten, zuversichtlichen Haltung heraus handeln.

Achtsamkeit ermöglicht es uns, im Moment zu bleiben und unser Handeln klarer und fokussierter zu gestalten. Diese Praxis fördert eine tiefere Verbindung zu unseren eigenen Gedanken und Gefühlen und ermöglicht es uns, bewusster und gelassener auf Herausforderungen zu reagieren.

Ulrich Schnabel und Anoosh Werner während der Townhall-Debatte
Ulrich Schnabel und Anoosh Werner während der Townhall-Debatte

Fokus auf die Gegenwart als Funke für Zuversicht 

Als Beispiel gibt Werner die Metapher von einem Stück Holz, was an einer Seite brennt, was unser Leben symbolisiert. Im Laufe der Lebenszeit brennt das ganze Stück Holz ab und Asche bleibt zurück – das Leben ist vergänglich. Sie betont, dass es an uns liegt, die Entscheidung zu treffen, entweder auf das Holz oder auf die Asche zu schauen. Die Zuversicht ist der Funke, mit dem wir auf das Feuer blicken, das noch brennt.

Scheitern als Teil des Prozesses

Werner betont, dass Scheitern ein natürlicher und wichtiger Teil des Lebens ist. Sie erklärt, dass wir durch das Scheitern lernen und wachsen. Scheitern ermöglicht es uns, neue Wege zu entdecken und unsere Resilienz zu stärken. Indem wir das Scheitern akzeptieren und daraus lernen, können wir zuversichtlicher und experimentierfreudiger werden.

Weisheit kommt nicht von Wissen, sondern von Erfahrung. – Annosh Werner

Drei Take-Aways

  1. Zuversicht entsteht durch kleine, bewusste Schritte: Indem wir große Aufgaben in kleine, machbare Schritte unterteilen, können wir sie bewältigen, ohne überwältigt zu werden. Jeder kleine Erfolg stärkt unser Vertrauen in unsere Fähigkeiten. 
  2. Achtsamkeit und Selbstbeobachtung stärken unsere Fähigkeit, im Hier und Jetzt präsent zu bleiben: Durch Achtsamkeit und Selbstbeobachtung erkennen wir unsere automatischen Reaktionen und lernen, bewusster und gelassener zu handeln. Dies ermöglicht es uns, unsere Zuversicht zu stärken und klarer zu denken. 
  3. Das Herz ist eine wichtige Quelle der inneren Stärke und Zuversicht: Indem wir uns mit unserem Herzen verbinden, finden wir eine tiefe innere Ruhe und Kraft. Diese Verbindung unterstützt uns dabei, authentisch und mitfühlend zu handeln, was unsere Zuversicht stärkt. 
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  • Anoosh Werner, Zukunftsgestalterin und Wasseraktivistin : Antonius Scheffler / Okeanos Stiftung
  • Ulrich Schnabel und Anoosh Werner während der Townhall-Debatte: Antonius Scheffler / Okeanos Stiftung