Gefühlsrunde Illustration

Wie geht es mir heute - Kinder lernen, mit dem Gefühlsbarometer ihre Gefühle auszudrücken.

Miteinander reden: Die Gefühlsrunde

Patricia Peters arbeitet in einer Berliner Kita. Mit den 3-5-Jährigen hat sie einen festen Termin in der Woche, die „Gefühlsrunde“. Die Kinder genießen es, über ihre Emotionen, Stimmungen und Erfahrungen zu sprechen, wie sie in ihrem Bericht schildert.

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Als ich als Berufsanfängerin in die Kita kam, waren ,,Gefühle“ gerade ein schwieriges Thema in der Gruppe: Die Kinder haben gestritten, waren sich oft uneinig, haben die Grenzen anderer überschritten, eigene Gefühle und die der anderen nicht wahrnehmen können.

Da ich die Kinder und die Gruppendynamik besser kennenlernen wollte, suchte ich ein Ritual, um in Ruhe in Kontakt mit den Kindern zu kommen. Ich wollte ihren Gefühlen, Sorgen und Themen mehr Zeit und Aufmerksamkeit schenken können.

Außerdem wollte ich die Kinder für ihre eigenen Gefühle und die der anderen Kinder sensibilisieren und ihren Ausdruck fördern. Im normalen, turbeligen Kita-Alltag schien mir das kaum möglich.

Einmal pro Woche sprechen wir über alles, was uns bewegt und beschäftigt.

So ist das Projekt „Gefühlsrunden“ entstanden: Einmal pro Woche nehmen wir uns füreinander Zeit und sprechen über alles, was uns bewegt und beschäftigt. Dabei kommen wir für eine Stunde in einem Sitzkreis am Boden zusammen.

Ein Haupt-Werkzeug ist das „Gefühlsbarometer“. Wir haben aus Pappe ein Barometer gebastelt, dessen Einteilungen das „innere Wetter“ anzeigen kann: stürmisch, regnerisch, sonnig oder wolkig. Mit einer Wäscheklammer kann man das Barometer verschieben.

Reihum darf jedes Kind die Klammer auf dem Barometer an die für sie oder ihn stimmige Stelle setzen. Für einen Moment kann es berichten, ob es gerade glücklich oder traurig ist. Die anderen sind still und hören zu. Wenn ein Kind nichts erzählen möchte, gibt es das Barometer einfach an das nächste Kind weiter.

Neben dem Barometer und dem Austausch haben wir noch andere Angebote, um die sozialen und emotionalen Kompetenzen der Kleinen zu fördern. Auch Bücher, Spiele und Traumreisen unterstützen die Erfahrungen und den Austausch über Gefühle und Erlebtes.

Wichtig ist, dass beim Austausch in der Runde das Erzählte unkommentiert bleibt.

Wichtig ist, dass beim Austausch in der Runde das Erzählte unkommentiert bleibt. Es geht primär darum, dass die Kinder sprechen, sich ausdrücken, einander zuhören. Wenn Kinder schnell mit einer einfachen Antwort sind oder die Antwort der besten Freundin nachplappern, kann ich sie mit einem „Und was ist da noch?“ darin unterstützen, noch einmal zu überlegen oder nachzuspüren.

Ich nehme mich aus der Gefühlsrunde nicht heraus und berichte ehrlich von mir selbst – sehr zur Freude der Kinder.

Manchmal erzählen die Kinder auch von belastenden Erlebnissen zuhause wie die Krankheit der Oma, die Angst vor Corona, die Wut auf den Bruder, die Trennung der Eltern oder die Trauer um das Kaninchen. Das hilft mir und meinen Kolleg:innen, noch einfühlsamer auf die Kinder einzugehen und sie gezielt zu begleiten.

Es ist schön zu sehen, wie sich auch der Umgang der Kinder miteinander ändert, sobald sie wissen, dass es einem Kind nicht gut geht. Wir überlegen dann gemeinsam, was wir tun können, um diesem Kind zu helfen und seinen Tag schön zu gestalten.

Aber auch umgekehrt können wir in diesen Runden unsere Erfolge und Freuden teilen und gemeinsam schöne Stunden schaffen! Aus den Berichten, was den Kindern Spaß macht, sind schon viele neue Projekte und Spiele entstanden. Das schweißt die Gruppe zusammen und motiviert.

Patricia Peters

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  • Illustration Gefühlsrunde: Lena Hesse