Foto Alina Schmeing

Achtsame Führung braucht Zeit für sich selbst

Erfahrungsbericht von Alina Schmeing, Studentin Wirtschaftspsychologie

Achtsamkeit hilft, eine objektivere Sichtweise einzunehmen und bei Problemen eine angemessene Lösung zu finden. Ein wichtiges Tool für Führungskräfte, findet die Studentin der Wirtschaftspsychologie.

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Das Gespräch führte Lukas Lamoller

Was hat Sie motiviert, als studentische Hilfskraft für das neue Mindfulness-Programm der Hochschule Osnabrück zu arbeiten?

Alina Schmeing: Im Sommersemester 2020, als der Lockdown anfing, hatte Frau Leiste einen wöchentlichen Achtsamkeitskurs online angeboten. Das waren zwei Stunden, in denen man gemeinsam meditieren und sich austauschen konnte. Da ich vorher schon mit Achtsamkeit und Meditation in Berührung gekommen war, dachte ich mir, dass mir das in der Zeit des Lockdowns bestimmt gut tun würde.

Und meine Erwartungen wurden mehr als erfüllt. Trotz der Online-Situation hat sich innerhalb der Gruppe eine tolle Atmosphäre entwickelt. Mich hat besonders berührt, dass man man seine Gedanken und Gefühle in dieser so herausfordernden Zeit hier so offen kommunizieren konnte. Später schrieb Frau Leiste dann die Stelle für eine studentische Hilfskraft aus und ich bewarb mich.

Welche Rolle spielen Achtsamkeit und Meditation in Ihrem eigenen Leben?

Schmeing: Ich lege sehr großen Wert darauf, dass ich regelmäßig meditiere. Das heißt nicht unbedingt täglich – ein bisschen ist das auch stimmungsabhängig – aber für mich ist die Meditation ein wichtiges Mittel, um auch im Alltag achtsamer mit mir und meinen Mitmenschen umzugehen.

Achtsamkeit ist ein sehr nützliches Werkzeug.

Besonders in Zeiten von Corona, finde ich es wichtig, sich Zeit für sich selbst zu nehmen, sich zu verstehen und zu beobachten: ‚Was sind meine Bedürfnisse? Warum geht es mir vielleicht gerade nicht so gut?‘ Da ist Achtsamkeit ein sehr nützliches Werkzeug.

Ein Kernstück des Programms ist das Studienmodul Mindful Leadership. Welche Reaktionen von Studierenden bekommen Sie?

Schmeing: Wir haben für den Kurs abschließend Feedback eingeholt. Die Reaktionen waren insgesamt sehr berührend. Die Studierenden  waren dankbar für die Erfahrung und legten jedem ans Herz, das Modul zu belegen. Ein Teilnehmer erzählte, dass er sich selbst noch einmal auf eine ganz andere, neue Art kennengelernt habe. Er konnte seine Gefühle und Emotionen viel intensiver wahrnehmen und gezielt mit ihnen arbeiten.

Worin liegt Ihrer Meinung nach der Nutzen des Studienmoduls für die teilnehmenden Student:innen?

Schmeing: Ein wichtiger Punkt ist natürlich die bessere Stressbewältigung im Studium, besonders in Prüfungssituationen. Eine große Rolle spielt aber vor allem die generelle Beschäftigung mit sich selbst und auch der andere Umgang mit den Mitmenschen, der sich daraus ergibt.

Zunächst nimmt man die eigenen Emotionen viel intensiver wahr – positive wie auch negative. Mit Achtsamkeit kann man es schaffen, gerade auf negative Emotionen eine objektivere Sichtweise einzunehmen. Diese hilft dann dabei, besser mit den Gefühlen umzugehen und eine angemessene Lösung zu finden.

Wie sieht es mit der Akzeptanz des Programms an der Hochschule aus? Wird auch Skepsis geäußert?

Schmeing: Es freut uns sehr, dass wir einen sehr hohen Andrang für das Modul haben. Bis jetzt haben wir weitaus mehr Anmeldungen als Plätze! Aber es gibt natürlich auch die Skeptiker. Wie es oft bei neuen Dingen ist, stoßen wir auch mit dem Mindful Leadership Programm auf Ablehnung.

Achtsamkeit wird bei vielen noch mit Esoterik in Verbindung gebracht.

Auch wenn das Thema Mindfulness immer alltäglicher wird, wird es bei vielen noch mit Esoterik in Verbindung gebracht. Das Team und ich versuchen diese Stereotype so gut es geht aufzulösen, indem wir aufklären und sensibilisieren. Wir möchten in Zukunft mehr Menschen den Zugang erleichtern und planen Achtsamkeit z.B. auch in den Hochschulsport integrieren.

Glauben Sie, dass Sie das Thema Achtsamkeit beruflich auch über Ihre Assistenz im Hochschulprogramm hinaus begleiten wird?

Schmeing: Auf jeden Fall! Als Wirtschaftspsychologin kann ich mir sehr gut vorstellen, später einmal Angebote in Richtung Achtsamkeit zu machen, wie zum Beispiel Coachings für Führungskräfte und Mitarbeitende. Ich denke es wird immer wichtiger sich mit sich selbst auseinanderzusetzen.

Das ist unabhängig davon, ob man eine Führungskraft ist oder nicht. Viele Studien haben bereits ergeben, dass eine regelmäßige Achtsamkeitspraxis die Gefahr eines Burnouts verringern kann, die Stressbewältigung positiv beeinflusst und dazu beiträgt seine eigenen Handlungen besser zu reflektieren. Das ist meiner Meinung nach besonders wichtig für Führungskräfte.

 

Weitere Informationen

Lesen Sie mehr zu dem Programm an der Osnabrücker Hochschule in dem Artikel Mindful Leadership – von der Hochschule in die Gesellschaft

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  • Illustration Alina Schmeing: Bitteschön.tv