Leichtigkeit in stressigen Zeiten – mit Kindern lachen

Lachen tut gut, das weiß jeder. Trotzdem lachen wir Erwachsenen im Alltag und mit unseren Kindern viel zu selten. Sonja Boxberger ist Mutter von zwei Kindern und Lach-Yoga-Lehrerin. Eine Ermutigung zum gemeinsamen Lachen!

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Kinder lachen ungefähr 400 mal am Tag, bei den Erwachsene sind es nur ungefähr 20 mal. Und wie selten kommt es vor, dass Eltern mit ihren Kindern zusammen herzhaft lachen?

Der Familienalltag ist eng getaktet. Unter dem Anspruch, alles gut hinkriegen zu wollen, bleibt für gemeinsames Herumalbern kaum Zeit. Dabei kann es für Eltern und Kinder tatsächlich auch erst einmal komisch sein, wenn Mama oder Papa aus den gewohnten Rollen fallen. Aber es lohnt sich!

Lachen schafft Verbindung

Wer Momente des gemeinsamen Lachens erlebt hat, vergisst sie nicht so schnell wieder. Denn Lachen schafft Verbindung. Lachen bringt ins Hier und Jetzt. Lachen ist positive Energie und verbessert die Kommunikation. Während des Lachens ist kein Streiten möglich, Machtkämpfe werden unterbrochen.

Lachen macht kreativer. Lachen hilft, leichter mit dem Leben und den Herausforderungen umzugehen. Lachen ist nachweislich gesund für Körper, Geist und Seele. Und wenn man jemanden zum Lachen bringt, bekommt man es als Geschenk zurück.

Mtter und Kind lachen
Mutter und Kind – Lachen schafft Verbindung

Wie kann es also gelingen, das gemeinsame Lachen in den Familienalltag zu bringen?

Mir persönlich war es über die Jahre ein Anliegen, die Erfahrungen aus meinen Tätigkeitsbereichen wie MBSR, Mindful Parenting und Lachyoga auch mit den Erfahrungen und Bedürfnissen als Mutter von zwei Kindern zusammenzubringen. Und so haben sich die Ideen zum gemeinsamen Lachen entwickelt und sind praxiserprobt.

Um das gemeinsame Lachen nicht dem seltenen Zufall zu überlassen, braucht es die bewusste Absicht und liebevolle Erlaubnis, Leichtigkeit und Freude in den Moment zu bringen. Dabei ist es ein bewusstes, inneres Stopp hilfreich, um aus dem (gestressten) Autopiloten auszusteigen. Die innere Haltung wechselt vom geschäftigen Tun hin zur Pause im Hier und Jetzt – trotz allem, inmitten von allem.

Lachen ohne Grund, aber mit Absicht

„Die Sonne fragt nicht nach dem Grund ihres Scheinens, Wasser fragt nicht nach dem Grund seines Fließens, ein Kind fragt nicht nach dem Grund seines Glücks, warum brauchen wir einen Grund zum Lachen?“

Dieses Zitat stammt von Dr. Madan Kataria, einem indischen Arzt und Begründer der Lachyoga-Bewegung. Dabei geht es also ums Lachen ohne Grund oder aus Schadenfreude.

Es geht auch nicht darum, Unangenehmes wegzulachen. Mit Achtsamkeit als Grundlage sind wir eingeladen alles zu spüren, was gerade da ist – sich auch die Gleichzeitigkeit verschiedener Gefühle erlauben.

Ein Ziel von Lachyoga ist es, ins kindlich-spielerische Verhalten zu kommen – wieder die Quelle unserer kindlichen Freude anzuzapfen. Lachyoga beinhaltet Atemtechniken und Übungen des klassischen Yoga (Pranayama) in spielerischer Verbindung mit Lachen, Bewegungs- und Klatschübungen.

Für die Integration in den Familienalltag lassen sich einfache Elemente aus dem Lachyoga als Inspiration und Ideengeber herausnehmen. Lassen wir uns auf diese spielerische Erfahung ein, können wir von unseren Kindern lernen und gemeinsam in neue Erfahrungswelten eintauchen.

„Fake it until you make it“

Dabei muss man noch nicht mal besonders lustig sein. Nach dem Grundsatz „Fake it until you make it“ können wir einfach so tun also ob und beginnen zunächst künstlich zu lachen. Der Körper unterscheidet nicht zwischen gefakten und echtem Lachen, der Benefit für den Körper ist aber der gleiche.

Wir alle wissen: Lachen ist ansteckend, daher Blickkontakt untereinander halten. Und in Bewegung bleiben, denn „movement creates emotions“.

Beliebige Alltagssituationen können als Vorlage für die Lachübungen dienen,

  • z.B. am Morgen der erste Blick in den Spiegel. Da halten wir eine Hand mit Handinnenfläche auf Augenhöhe, schauen in diesen imaginären Spiegel und fangen an zu lachen. Wir können uns auch gegenseitig unser komisches Spiegelbild zeigen.
  • Dann gehen wir unter die imaginäre Dusche, drehen den Duschhahn auf und duschen uns mit Lachwasser. Herrlich!
  • Danach abtrocknen und mit Lachcreme eincremen. D.h. wir nehmen die imaginäre Lachcremetube, drücken die Lachcreme hinaus und lachen beim Eincremen.

Nach drei, vier solcher Lachübungen klatschen wir auf die Silben, die wir gemeinsam laut rufen „HO-HO HA-HA-HA“. Das macht Spaß und schafft Verbindung. Und fragt man die Kinder, haben sie spontan noch ganz viele eigene Ideen.

So hat mein Sohn neulich den Popo rausgestreckt und so getan als würde ihm ein Pups entfläuchen, natürlich mit einem lauten Pupsgeräusch. Ein großer Spaß für alle, wenn die ganze Familie sich mal darauf einlässt und ebenfalls imaginär herumpupst und sich darüber kaputtlacht.

Diese Übung habe ich übrigens mit in einen Lachyogaworkshop für Erwachsen genommen und war begeistert zu sehen welchen Spaß die Menschen unterschiedlichsten Alters daran hatten.

Fantasiesprachen und Grimassen

Eine weitere empfehlenswerte Übung ist das „Gibberisch sprechen“: Gibberisch ist eine selbstausgedachte Nonsens-Sprache ohne Bedeutung, also eine Fantasiesprache. Z.B. kann eine:r beginnen einen Witz in seinem/ihrem eigenen Gibberisch zu erzählen.

Dabei kann langsam oder schnell gesprochen werden. Es geht vor allem um den klanglichen Ausdruck, unterstützt durch Körpersprache und Gesten. Natürlich lacht der/die Witzeerzähler:in besonders über seinen Witz und alle anderen stimmen ein. Danach ist der/die nächste dran.

Grimassen sind natürlich auch herrlich für gemeinsames Lachen, z.B. das Löwenlachen: mit weit aufgerissenem Mund, ausgestreckter Zunge, weit offenen Augen, die Hände werden zu Tatzen hoch neben dem Gesicht. Und darüber hinaus sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

Nur Mut, let’s have a try!

Weitere Informationen

Mehr Übungen und Ideen für das Lachen mit Kindern finden Sie auf der DVD des Lach-Yoga-Institutes.

Foto Sonja Boxberger Autorin
Sonja Boxberger

Sonja Boxberger ist Mutter von zwei Kindern, verheiratet und lebt in Köln. Sie arbeitet als MBSR Trainerin, Happy Panda-Trainerin und begleitet Eltern als Mindful Parenting Trainerin. Daneben ist ihr Schwerpunkt Achtsamkeit in der Natur. Bei Veranstaltungen und Fachtagungen ist sie als Referentin tätig. Hier kommen Sie zu ihrer Seite.

 

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  • Zwei lachen: Mego-Studio / photocase.de
  • Sonja Boxberger: Olivier Pol Michel