Meine Verbundenheit mit den Kindern stärken

Erfahrungsbericht von Claudia Pelegrin, Kindergärtnerin und Achtsamkeitslehrerin

Achtsamkeit mit den Kita-Kindern zu üben, ist Claudia Pelegrins Herzensprojekt. Begleitet wird sie dabei vom Panda, einer kleinen Handpuppe, die bei den Übungen mit den Kindern spricht und interagiert.

PORTAL FÜR ACHTSAMKEIT IN DER PÄDAGOGIK

Mein Wunsch ist es, durch das Achtsamkeitstraining die in den Kindern schon vorhandene Weisheit zu wecken. Es ist so wertvoll, wenn schon Kinder bewusst auf die Signale des Körpers  hören und gut für ihn sorgen. Die fünfjährige Maike zum Beispiel findet, dass Achtsamkeit in Bewegung  genau das Richtige für sie ist. „Wenn ich meinen Körper spüre, dann kann ich besser auf ihn aufpassen!“, erzählt sie mir.

Die wohl größte Herausforderung für mich ist dabei das Loslassen von möglichen Zielen. Denn als Kindergärtnerin in der Vorschule bin ich jeden Tag damit beschäftigt, die Kinder so gezielt wie möglich zu fördern.

Beim Achtsamkeitstraining ist dies anders: Es ist eine Einladung – und es gibt nichts zu erreichen. Es geht um Wahrnehmung und um Akzeptanz der Erfahrungen. Nicht darum, etwa Entspannung oder Ruhe zu erzielen.

So musste ich doch ein wenig schlucken, als Thibaut (5 Jahre) mir nach der dritten Achtsamkeitsstunde zuflüsterte: „Claudia, ich mag die Pandahaltung gar nicht!“. Was tun? Thibaut erlauben, dem Achtsamkeitsprojekt fern zu bleiben? Dann würde er wahrscheinlich etwas Wertvolles verpassen.

Ich schlug ihm vor, einfach zuzuschauen. Und das war in Ordnung für ihn. Beim achtsamen Yoga machte er dann begeistert mit und konnte sich auf seine Erfahrungen einlassen.

Foto Happy Panda
Der Happy Panda mit der Klangschale

Die Bewegung und das Spiel haben die meisten Kinder sehr angesprochen. Und auch die Stille haben viele als angenehm gefunden. Sie beschrieben ein wohliges Gefühl im Bauch und empfanden sie als Erholung für ihre Ohren. So erzählte Tom, dass er es liebt, in seinem Zimmer die Übung „Pandaohren“ zu machen. Er findet es toll, still zu sitzen und zu hören, welche Geräusche in seinem Haus gerade da sind.

Eine weitere Herausforderung für mich ist es, den Kindern „Nicht-Werten“ zu vermitteln. Wie schnell hatte ich doch den Wunsch, das Engagement jener Kinder zu loben die erzählten, dass sie Zuhause üben. Doch der Panda antwortete nur mit: „Vielen Dank für deine Rückmeldung“.

Das hilft den Kindern nach einiger Zeit, ihre Empfindungen ehrlich auszudrücken und beispielsweise zu sagen: „Dabei habe ich mich unwohl gefühlt“ oder „Das hat mir gerade nicht gut getan“ und „Ich hatte keine Lust zu üben“. Auch dafür bedankt sich der Panda, ohne etwas zu bewerten.

Wichtig ist mir, dass kein Druck entsteht. Es ist nur ein Angebot und es gibt nichts zu erreichen. Es geht um die Wahrnehmung dessen, was gerade geschieht und dies, ohne zu werten!

Den Kindern die Möglichkeit geben, ihre Herzlichkeit zu entdecken – auch das ist ein Wunsch, den ich für sie habe. Die Übung „Herzensgrüße schicken“ haben viele Kinder sehr gemocht. So erzählte Ida, sechs Jahre alt, dass sie sehr glücklich ist, ihrer Oma Herzensgrüße schicken zu können, weil sie sie sehr vermisst.

Eine Erfahrung hat mich sehr berührt: Während des Happy Panda-Trainings, das ja über 12 bis 15 Wochen geht, ist der Vater eines Jungen, Simon, gestorben. Simon hat auch während der Pandastunden über seine Gefühle sprechen können. Die Kinder haben ihm zugehört und ihr Mitgefühl ausdrücken können. „Dann bist du bestimmt sehr traurig!“

Dann gab es eine Streitsituation auf dem Pausenhof: Simon hatte Lasse, der auch an den Panda-Stunden teilnahm, geschlagen. Er rief mich und wir sprachen darüber. Simon sagte nicht viel und zog sich lieber zurück. Lasse blieb bei mir und sagte in etwa so: „Ich kann verstehen, dass Simon Wut fühlt, denn sein Vater ist gestorben. Der Hund meines Opas ist auch gestorben und ich war sehr traurig. Und weil ich so traurig war, habe ich auch Wut gefühlt. Simon ist bestimmt noch sehr traurig.“

Das Positive im anderen erkennen und zum Ausdruck bringen.

Sehr aufmerksam haben sich die Kinder auch als Großzügigkeitsdetektive auf die Suche nach der Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit und Großzügigkeit der Anderen gemacht.  Diese Übung hat uns dazu angeregt, das Positive im Anderen zu erkennen und zum Ausdruck zu bringen. Wie meinte Lukas (5 Jahre): „Ich finde, wir sind alle großzügig ab und zu!“

Zum Geburtstag erhält seitdem jedes Kind eine große gebastelte Blume. Auf den Blütenblättern werden die guten Eigenschaften, die Qualitäten des Kindes verewigt.  Das Geburtstagskind sitzt dann in der Mitte und jedes Kind, das möchte, darf ein Kompliment aussprechen wie: „Ich finde, du bist sehr freundlich und lächelst oft so schön!“ Und diese Qualitäten schreibe ich dann in die Blütenblätter.  Zum Jahresabschluss schenkte mir jedes Kind einen Stein mit einer guten Eigenschaft für mich. Das war ein wunderschönes Geschenk!

Die gemeinsame Zeit beim Pandaprojekt hat bei mir persönlich das Gefühl der Verbundenheit mit den Kindern gestärkt. Unser Miteinander war ruhiger, gelassener, mitfühlender. Unsere Gespräche waren reicher und tiefgründiger. Es ist schwierig, die passende Beschreibung zu finden. Vielleicht ist es das Gefühl des Vertrauens, des Geborgenseins, des Friedens. Es ist ein wunderbares Geschenk – die Möglichkeit, zusammen die eigene Achtsamkeit zu wecken.

Mehr Infos zum Happy Panda Training finden sie auf der Seite von Cécile Cayla hier und auf unserer Seite.

Claudia Pelegrin

Claudia Pelegrin ist seit 20 Jahren Kindergärtnerin in der deutschsprachigen Grenzregion von Belgien nahe Aachen, wo sie mit ihrem Ehemann und drei Kindern lebt. Zusätzlich zu ihrem pädagogischen Studium ließ sie sich zur Erzieherin in Qi-Gong und Kinesiologie (Brain-Gym) ausbilden. Seit 2012 praktiziert Claudia Pelegrin Achtsamkeit. Sie ist zertifizierte MBSR-Lehrerin, nahm an Weiterbildungen zu “Achtsamkeit mit Kindern” in Belgien und “Achtsamkeit in der Pädagogik” in Luxemburg teil - und schließlich am Happy Panda-Training in Berlin.

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  • Claudia Pelegrin: Bitteschön.tv
  • Happy Panda: Cécile Cayla